Amazon stoppt 1.800 nordkoreanische Bewerber mit KI
Amazon hat seit April 2024 mehr als 1.800 mutmaßlich nordkoreanische Bewerber davon abgehalten, im Unternehmen anzufangen, schrieb Sicherheitschef Stephen Schmidt am 18. Dezember 2025 in einem LinkedIn-Beitrag. Solche Bewerbungen seien in diesem Jahr von Quartal zu Quartal um 27 % gestiegen, und ein KI-Modell prüfe die Profile, bevor Menschen sie verifizieren. Für jedes Unternehmen, das Entwickler im Homeoffice einstellt, zeigt der Fall, welche Signale falsche Kandidaten verraten und wo die Prüfung noch Lücken hat.
Warum sich nordkoreanische IT-Kräfte auf US-Remote-Jobs bewerben
Amazon hatte es mit einem Betrugsmodell zu tun, das auf Remote-Einstellungen zielt. Sicherheitschef Stephen Schmidt schrieb, dass nordkoreanische Staatsbürger seit Jahren versuchen, Remote-Jobs in der IT bei Firmen weltweit zu bekommen, vor allem in den USA.
„Ihr Ziel ist meist simpel: eingestellt werden, bezahlt werden und die Löhne zurückschleusen, um die Waffenprogramme des Regimes zu finanzieren." Stephen Schmidt, Sicherheitschef von Amazon, auf LinkedIn
Der Schaden geht über die Löhne hinaus. The Register berichtet, dass die meisten Fortune-500-Unternehmen schon auf die Masche hereingefallen sind, die US-Firmen zweistellige Millionenbeträge gekostet hat, und dass manche Betrüger ihren Insider-Zugang nutzen, um Quellcode zu stehlen und ihre Arbeitgeber danach zu erpressen. Tom's Hardware schreibt, dass CrowdStrike im vergangenen Jahr über 320 Vorfälle untersucht hat und über 240 Firmen Opfer des damit verbundenen Laptop-Farm-Systems wurden.
Wie Amazon Bewerber mit KI und Menschen prüft
Amazon antwortet mit einer zweistufigen Prüfung: Ein Modell markiert verdächtige Bewerbungen, und Menschen bestätigen sie. „Unsere Erkennung verbindet KI-gestützte Prüfung mit menschlicher Verifizierung", schrieb Schmidt.
Das Modell achtet auf drei Arten von Signalen. In Schmidts Worten „analysiert es Verbindungen zu fast 200 Hochrisiko-Einrichtungen, Auffälligkeiten über Bewerbungen hinweg und geografische Ungereimtheiten". Die menschliche Seite prüft die Identität dann mit Hintergrundchecks, der Prüfung von Nachweisen und strukturierten Interviews. Die KI grenzt das Feld ein, ein Mensch entscheidet.
Auf welche Signale die Prüfung im Alltag achtet
Die Signale im Alltag sind kleine Details, die sich summieren. Schmidt schrieb, dass US-Telefonnummern im Format „+1" statt „1" oder Abschlüsse von Hochschulen, die das angegebene Fach gar nicht anbieten, zusammen mit anderen Hinweisen starke Indizien sein können. Tom's Hardware nennt zusätzlich Einschreibedaten, die nicht zum akademischen Kalender passen.
Nach der Einstellung zählt auch das Verhalten im Job. Schmidt sagte Bloomberg, dass eine Verzögerung bei den Tastenanschlägen ein Hinweis ist, weil jemand, der aus dem Ausland über einen Computer in den USA tippt, eine messbare Verzögerung zeigt.
Was die Prüfung seit April 2024 aufgedeckt hat
Das messbare Ergebnis ist die Zahl der blockierten Bewerber. Amazon gibt an, seit April 2024 mehr als 1.800 mutmaßlich nordkoreanische Bewerber vom Eintritt ins Unternehmen abgehalten zu haben, und in diesem Jahr von Quartal zu Quartal 27 % mehr Bewerbungen mit Verbindung zu Nordkorea erkannt zu haben.
Die Prüfung ist nicht perfekt, und Amazon sagt das auch. IT Pro berichtet unter Berufung auf Bloomberg, dass ein Hochstapler, ein falscher Auftragnehmer für Systementwicklung, durchgekommen ist. Die Sicherheitsteams fanden ihn über die Verzögerung seiner Tastenanschläge: Bei einem Remote-Mitarbeiter in den USA kommen Tastenanschläge meist innerhalb weniger Millisekunden an, bei diesem Mitarbeiter lag die Verzögerung bei mehr als 110 Millisekunden.
Wie sich das Betrugsmodell verändert
Schmidt beschreibt ein System, das sich anpasst, sobald Firmen es durchschauen. Die Akteure übernehmen inzwischen die Identitäten echter Softwareentwickler, oft indem sie ruhende LinkedIn-Konten mit gestohlenen Zugangsdaten kapern, und Amazon hat Netzwerke gefunden, in denen Menschen ihre Konten gegen Bezahlung abgeben.
Außerdem arbeiten sie mit Helfern in den USA zusammen, die Laptop-Farmen betreiben: Der Firmenlaptop steht an einer US-Adresse, während sich der Mitarbeiter aus dem Ausland damit verbindet. Schmidt warnte, dass die Gruppen zunehmend Stellen in KI und Machine Learning ins Visier nehmen. The Register ergänzt unter Berufung auf Okta, dass Betrüger auch Vorstellungsgespräche bei Firmen in Finanzwesen, Gesundheit, öffentlicher Verwaltung und Beratung führen, nicht nur in der IT.
Was sich für Firmen ändert, die Entwickler remote einstellen
Für jedes Unternehmen, das remote einstellt, übernimmt das System von Amazon eine bekannte Aufgabe: betrügerische Kandidaten auszusortieren, bevor sie auf der Gehaltsliste stehen und an interne Systeme kommen. Um Teile davon nachzubauen, braucht man nicht die Größe von Amazon. Schmidts Rat an andere Firmen war konkret.
- Bewerberdatenbanken nach typischen Mustern durchsuchen: Auffälligkeiten in Lebensläufen, E-Mails, Telefonnummern und Bildungswegen.
- Die Identität in mehr als einer Phase des Bewerbungsprozesses prüfen, nicht erst beim Angebot.
- Nach dem Start auf ungewöhnlichen Fernzugriff und nicht genehmigte Hardware achten.
- Verdacht auf nordkoreanische IT-Kräfte dem FBI oder der örtlichen Polizei melden.
Amazon nannte keine Zahlen dazu, was das Programm kostet oder wie viele Recruiter-Stunden es spart.
Fragen und Antworten
Wie viele nordkoreanische Bewerber hat Amazon blockiert?
Laut Amazon wurden seit April 2024 mehr als 1.800 mutmaßlich nordkoreanische Bewerber blockiert. Schmidt sagte außerdem, Bewerbungen mit Verbindung zu Nordkorea seien in diesem Jahr von Quartal zu Quartal um 27 % gestiegen.
Wie erkennt Amazon gefälschte Bewerbungen?
Ein KI-Modell prüft Bewerbungen auf Verbindungen zu fast 200 Hochrisiko-Einrichtungen, auf Auffälligkeiten über Bewerbungen hinweg und auf geografische Ungereimtheiten. Danach bestätigen Menschen die Identität mit Hintergrundchecks, der Prüfung von Nachweisen und strukturierten Interviews.
Wurde bei Amazon ein falscher nordkoreanischer Mitarbeiter eingestellt?
Ja. Ein falscher Auftragnehmer kam durch und wurde entdeckt, als die Sicherheitsteams eine Tastaturverzögerung von mehr als 110 Millisekunden bemerkten, weit über den wenigen Millisekunden, die für einen Remote-Mitarbeiter in den USA typisch sind.
Die Sicht von MOZGII
Wie wir es bauen würden
Eine Prüfung wie die von Amazon funktioniert, weil sie die Aufgabe in zwei Teile trennt. Das Modell liest jede Bewerbung und zeigt auf die wenigen, die falsch wirken; ein Mensch entscheidet, was dann passiert. Diese Trennung würden wir beibehalten. Die Daten, die das Modell braucht, liegen schon im Bewerbersystem: Lebensläufe, E-Mail-Domains, Telefonformate, Hochschulen und Daten sowie die Historie früherer Bewerbungen. Die zweite Quelle ist das, was nach dem Start passiert, etwa von wo sich ein Laptop verbindet und wie schnell Tastenanschläge ankommen.
Wir würden das als Bewertungsschritt im Bewerbermanagementsystem bauen, bei dem jede Markierung ihre Gründe in klaren Worten zeigt, damit ein Recruiter sieht, warum ein Kandidat gestoppt wurde. Die Identität würden Sicherheitsmitarbeiter bestätigen, nicht das Modell, mit einem Live-Interview und einer Dokumentenprüfung. Jede Entscheidung würde protokolliert, denn ein abgelehnter echter Kandidat ist ein Problem der Fairness und des Rechts, nicht nur eine verpasste Einstellung.
Brechen würde es an zwei Stellen. Angreifer lernen die Signale und ändern sie, sodass eine feste Regelliste in Monaten veraltet. Und ein Modell, das stark auf Geografie setzt, kann ehrliche Bewerber bestrafen, die reisen oder ein VPN nutzen. Die eine Kennzahl, auf die wir achten würden, ist der Anteil markierter Bewerber, den die menschliche Prüfung als Betrug bestätigt: Sinkt er, markiert das Modell die falschen Leute.
Als Nächstes würden wir die Prüfung bei der Einstellung mit einer Geräteüberwachung in den ersten Wochen im Job verbinden, denn Amazons einziger Fehlgriff wurde über die Tippverzögerung entdeckt, nicht über die Prüfung.
Quellen
Woher die Fakten dieser Meldung stammen.
- 01Over 1,800 North Korean applicants flood Amazon — suspected illicit applicants blocked by the company since April 2024 | Tom's HardwareTom's Hardwaretomshardware.com
- 02Amazon blocked 1,800 suspected DPRK job applicantstheregister.com
- 03Amazon CSO Stephen Schmidt says the company has rejected more than 1,800 fake North Korean job applicants in 18 months – but one managed to slip through the net | IT ProChannel ProITProITProitpro.com